Waffenfirma Mecar in Elsenborn 1

2001, kurz nachdem wir nach Ostbelgien gezogen sind, gab es einen Konflikt mit einer Waffenfirma, die auf dem Gelände des Lagers Elsenborn Tests mit unabsehbaren Folgen für die Umwelt durchführte. Ich sah mich genötigt, mit ein paar Leserbriefen Stellung zu beziehen.

Mit Windmühlen gegen Don Quijote!

Elsenborn ist ein wunderschönes Dorf in der Nordeifel, administrativ zur Gemeinde Bütgenbach gehörend, bekannt für seine reizvolle Lage, ideal für Skilanglauf im Winter sowie Spaziergänge im Sommer und vielleicht noch durch seine berühmte Bürgerin Margarethe Schreinemakers in den Medien erwähnt. Der Wind von Westen findet hier in der Gegend an den Ausläufern der Ardennen, am sogenannten Hohen Venn ein erstes ernsthaftes Hindernis auf seinem Weg von der Nordseeküste, was das Klima hier rau sein lässt. Die doch noch zahlreichen freien Flächen bieten somit einen idealen Standort für einen Windpark zur Stromerzeugung, also für eine regenerative Energiequelle, die ohne Frage einen Schritt in die richtige Richtung bedeuten würde, weg von der Verbrennung wertvoller fossiler Stoffe wie Kohle oder Öl und der prinzipiell unbeherrschbaren Atomtechnik. Aus diesem Grund beschloss die Gemeinde Bütgenbach vor einigen Jahren schon in Zusammenarbeit mit dem belgischen Energieunternehmen Electrabel auf einem 40 ha großen Gelände in Elsenborn, der sogenannten Roderhöhe dem Bau einer solchen Windkraftanlage zuzustimmen.

Bisher scheitert dieses Unternehmen an dem Einspruch des Verteidigungsministeriums, das seine militärischen Flugübungen vom nahegelegenen Lager Elsenborn aus durch die Windräder gefährdet sieht. Zunächst möchte man darauf erwidern, dass wir nur hoffen können, dass die potentiellen Feinde der belgischen Nato-Truppen (wo sind diese Feinde eigentlich genau?) nicht von diesen Schwierigkeiten der Kampfpiloten erfahren. Ansonsten müssen wir wohl damit rechnen, dass alle Gaddafis, Milosevics, Kommunisten und Anarchisten dieser Welt ihre Territorien mit riesigen Windmühlen zubauen, um jedes Eingreifen der Luftstreitkräfte zu unterbinden. Als Anwohner der Eifel muss ich dazu noch feststellen, dass diese Windmühlen, selbst wenn sie kein einziges Watt Strom liefern würden, eine sinnvolle Investition wären, wenn sie nur die angedrohte Erweiterung der Tiefflugübungen in unserer Region verhindern könnten.

Die Pfarre St.Michael in Weywertz, eine unmittelbare Nachbargemeinde von Elsenborn, wollte auf ihren Internetseiten (www.weywertz.be) einmal die Meinung der Anwohner zu diesem geplanten Windpark erfragen und startete dazu eine Umfrage im Netz. In den ersten Tagen war das Ergebnis auch wie erwartet, die meisten Eifeler standen dem Projekt positiv gegenüber und nur wenige stimmten ablehnend. Doch plötzlich am Mittwoch schlug das Stimmenverhältnis Purzelbäume, bald war die Relation 50 zu 50 und einen Tag später schon bei 85 % Ablehnung des Windparks. Was war geschehen? Waren die mündigen Bürger der Region plötzlich informiert worden über die ja tatsächlich zu diskutierenden Nachteile solcher Anlagen, wie schlechte Ökobilanz, Vogelschutz, Infraschallemmisionen und Schattenschlag? Und wie war es möglich, dass in unserer eher ländlichen Region innerhalb von 2 Tagen fast 1000 Stimmen abgegeben wurden, wo es vermutlich insgesamt kaum mehr Internetanschlüsse im direkten Anliegerbereich der Roderhöhe gibt?

Die Lösung fand sich schnell und wenig originell: in Ermangelung eines „richtigen“ Feindes hat die Militärführung des Lagers in Elsenborn ihre konspirativen Kräfte ins Manöver gegen unsere Dörfer geschickt, um die öffentliche Meinung per Desinformationspolitk zu manipulieren. In einem E-Mail an sämtliche Sekretariate der belgischen Streitkräfte wurde dazu aufgefordert diese Abstimmung durch den Einsatz der geballten EDV-Kräfte des kleinen aber wehrhaften Landes Belgien (spätestens seit Asterix wissen alle um die Tapferkeit der Belgier) im Sinne der Lagerleitung zu korrigieren. Und dieser Aufwand für eine Meinungsumfrage ohne jede administrative Bedeutung oder auch nur messbare politische Relevanz! Zu welchen Intrigen und Konspirationen sind diese Männer in Uniform dann wohl bei wirklich wichtigen politischen Fragen bereit? Wie werden die Bewohner des Landes wohl (des)-informiert, wenn es um die Begründung von Kampfeinsätzen irgendwo in der Welt geht? (Der Wortlaut des Rundschreibens ist auf den Internetseiten der Pfarre St. Michael in Weywertz nachzulesen.)

Aber eines macht Mut, einen ähnlichen Kampf gegen Windmühlen hat es in der Literaturgeschichte schon einmal gegeben und die Parallelen sind ebenso bedeutend wie die Unterschiede:

1605 schrieb Cervantes den ersten Teil der Geschichte von Don Quijote de la Mancha, dem Ritter von der traurigen Gestalt. Es war dies eine Zeit, in der die in Rüstungen steckenden Reiter zu einem Anachronismus geworden waren, die nur noch als Witzfiguren herhalten konnten, indem sie mit ihren Lanzen auf imaginäre Feinde losgingen und ihre Daseinsberechtigung damit zu legitimieren suchten. In der gleichen Situation scheint das Militär in unseren Tagen zu stecken, und wenn ihre Waffen nicht ungleich tödlicher wären als die Lanze des alten Mannes auf dem noch klapperigeren Pferd Rosinante, könnte man Mitleid mit den ewig gestrigen Militärs haben. Denn wie wir auch aus dem Roman des Spaniers wissen, bleibt die Windmühle am Ende Sieger und ich hoffe, nein, ich bin sicher, dass es auch in Elsenborn auf der Roderhöhe so ausgehen wird.

Zum Schluss noch ein Unterschied zwischen Don Quijote und dem Lagerkommandanten von Elsenborn: der erste wollte mit seinem Ansturm auf die Räder der Windmühle das Leben seiner Angebeteten Dulcinea verteidigen, handelte also aus einem durchaus ehrenwerten Motiv heraus. Von dem „Lt Col SERRE“ ist keinerlei romantische Leidenschaft in der Sache Roderhöhe bekannt, so dass man vermuten muss, dass es wieder einmal nur um die Sicherung von Macht, Position und Pfründen geht, wofür ich keinerlei Mitleid aufbringen kann. Im Gegenteil, ich würde mich sehr freuen, wenn die Militärs unserer Zeit den gleichen geschichtlichen Gang gehen müssten wie die Militärs des Mittelalters, die Ritter, und zwar so schnell wie möglich, ohne vorher mehr kaputt zu machen als eine alte Windmühle.

Dieter Matten, Weywertz