Dieter Matten

Dieter Matten, geboren am 8. Juli 1961 in Essen. Studium in Bochum bei Leo Kofler, in Duisburg bei Claus-Ekkehard Bärsch und Hedda Herwig. Seit 1991 verheiratet mit Ursula Heger. Seit 1998 wohnhaft in Weywertz, Belgien.

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Literaturliste Philosophie

Schwerpunkt auf ein systematisches Studium der Philosophie, die in heutiger Zeit von den modernen Gesellschaftswissenschaften (Psychologie, Soziologie, Anthropologie, Politik etc.) nicht mehr zu trennen ist. Hände weg von Sekundärliteratur! Alles „Über“ ist für ein unabhängiges Denken tödlich. Wenn Du einige Primärtexte erarbeitet hast, dann gebe ich Dir gerne eine zweite Liste mit wirklich guten Sekundärtexten, die einen wirklich weiterbringen. Ein Blick in die Bücher der anderen Liste kann nicht schaden, wie überhaupt nichts ausgeschlossen werden sollte.

Griechische Klassik:

  1. Aristoteles; Die Kategorien; Metaphysik; Nikomachische Ethik; Politik
  2. Platon; Apologie des Sokrates; Kriton; Symposium; Phaidon; Der Staat
  3. Vorsokratiker: Heraklit, Zenon, Empedokles, Parmenides, Demokrit, am besten bei Reclam: Die Vorsokratiker 1+2
  4. Cyniker: vor allem Diogenes, nur in Sammelbänden zur Klassik zu finden
  5. Stoiker: wie Cyniker, zum Beispiel in Klaus Döring, Theodor Ebert: Philosophie der Antike I zu finden
  6. Epikur; Philosophie der Freude

Philosophie des Mittelalters, Rennaissance und Übergang zur Moderne:

  1. Thomas von Aquin; in Die Philosophie des Thomas von Aquin Hrsg. Eugen v. Rolfes
  2. Giordano Bruno; Über das Unendliche, das Universum und die Welten
  3. Descartes; Meditationen über die Grundlagen der Philosophie; Abhandlung über die Methode des richtigen Vernunftgebrauchs
  4. Spinoza; Abhandlung über die Verbesserung des Verstandes; Politischer Traktat
  5. John Locke; Versuch über den menschlichen Verstand
  6. Hobbes; Leviathan; Vom Menschen, vom Bürger
  7. Gottfried Wilhelm Leibniz; Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand
  8. David Hume; Ein Traktat über die menschliche Natur, Buch I. Über den Verstand
  9. Jean Jaques Rousseau; Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen; Der Gesellschaftsvertrag; Emile oder Über die Erziehung

Deutsche Klassik:

  1. Immanuel Kant; Schriften zur Anthropologie; Was ist Aufklärung?; Kritik der reinen Vernunft; Kritik der praktischen Vernunft
  2. Johann Gottlieb Fichte; Die Anweisung zum seligen Leben; Die Bestimmung des Menschen; Reden an die deutsche Nation
  3. Georg Wilhelm Friedrich Hegel; Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie 3 Bde.; Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte; Grundlinien der Philosophie des Rechts; Phänomenologie des Geistes
  4. Kronenberg; Geschichte des deutschen Idealismus
  5. Hoffmeister; Wörterbuch der philosophischen Begriffe

Philosophie der Moderne:

  1. Auguste Comte; Rede über den Geist des Positivismus
  2. Karl Marx; Die Frühschriften; Das Kapital; Philosophisch-Ökonomische Manuskripte
  3. Friedrich Nietzsche; Der Wille zur Macht; Ecce homo; Also sprach Zarathustra; Menschliches Allzumenschliches
  4. Arthur Schopenhauer; Aphorismen zur Lebensweisheit; Maximen und Weisheiten; Parerga und Paralipromena; Die Welt als Wille und Vorstellung
  5. Siegmund Freud; Über das Unbehagen in der Kultur
  6. Martin Heidegger; Identität und Differenz
  7. Jean Paul Sartre; Das Sein und das Nichts; Wahrheit und Existenz
  8. Albert Camus; Der Mythos von Sysiphos; Der Mensch in der Revolte; Verteidigung der Freiheit
  9. Theodor W. Adorno, Max Horkheimer; Minima Moralia; Dialektik der Aufklärung; Traditionelle und kritische Theorie; Soziologische Schriften; Gesellschaftstheorie und Kulturkritik; Negative Dialektik; Drei Studien zu Hegel; Philosophische Terminologie
  10. Carl Jaspers; Von der Wahrheit; Das Wagnis der Freiheit
  11. Hans-Georg Gadamer; Hermeneutik I + II, Wahrheit und Methode

Die Postmoderne:

  1. Jaques Lacan; Schriften 1-3; Die 4 Grundbegriffe der Psychoanalyse
  2. Jaques Derrida; Grammatologie; Aporien; Die Schrift und die Differenz; Dissemination
  3. Rudolf Heinz; Zur Kritik der psychoanalytischen Traumtheorie; Logik und Inzest (Revue der Pathognostik); ödipus complex; Zerstreuungen
  4. Gilles Deleuze / Felix Guattari; Anti-Ödipus, Kapitalismus und Schizophrenie
  5. Cornelius Castoriadis; Durchs Labyrinth. Seele, Vernunft, Gesellschaft
  6. Emile M. Cioran; Vom Nachteil geboren zu sein; Auf den Gipfeln der Verzweiflung; Das Buch der Täuschungen

Soziologie, Anthropologie, Psychologie, Sozialpsychologie, Politik:

  1. Herbert Marcuse; Der eindimensionale Mensch; Triebstruktur und Gesellschaft; Vernunft und Revolution; Kultur und Gesellschaft
  2. Norbert Elias; Über den Prozeß der Zivilisation
  3. Pierre Bourdieu; Die feinen Unterschiede; Soziologische Fragen
  4. Günther Anders; Die Antiquiertheit des Menschen
  5. Ernst Bloch; Das Prinzip Hoffnung
  6. Leo Kofler: Aggression und Gewissen; Der asketische Eros; Der proletarische Bürger; Soziologie des Ideologischen; Beherrscht uns die Technik?; Geschichte und Dialektik; Die Wissenschaft von der Gesellschaft;
  7. Arnold Gehlen; Anthropologische Forschung; Der Mensch; Urmensch und Spätkultur
  8. Sigmund Freud; Abriß der Psychoanalyse; Zur Psychopathologie des Alltagslebens; Die Traumdeutung; Totem und Tabu
  9. Wilhelm Reich; Die Massenpsychologie des Faschismus; Der Fall Wilhelm Reich
  10. Fritz Riemann; Grundformen der Angst
  11. Erich Fromm; Anatomie der menschlichen Destruktivität; Siegmund Freud; Die Pathologie der Normalität
  12. Ernest Bornemann; Die Ur-Szene; Das Patriarchat

Literaturliste über das „Schöne“ und „Gute“

Psychoanalyse und ihre Auflösung:

  1. Sigmund Freud; Abriß der Psychoanalyse; Zur Psychopathologie des Alltagslebens; Das Unbehagen in der Kultur; Die Traumdeutung; Totem und Tabu
  2. Wilhelm Reich; Die Massenpsychologie des Faschismus; Der Fall Wilhelm Reich
  3. Fritz Riemann; Grundformen der Angst
  4. Erich Fromm; Anatomie der menschlichen Destruktivität; Siegmund Freud; Die Pathologie der Normalität
  5. Ernest Bornemann; Die Ur-Szene; Das Patriarchat
  6. Rudolf Heinz; Zur Kritik der psychoanalytischen Traumtheorie; Logik und Inzest (Revue der Pathognostik)
  7. Gilles Deleuze / Felix Guattari; Anti-Ödipus, Kapitalismus und Schizophrenie I
  8. Jaques Lacan; Schriften 1-3; Die 4 Grundbegriffe der Psychoanalyse
  9. Jaques Derrida; Vergessen wir nicht die Psychoanalyse

Aphoristisches, Soziologisches; Anthropologisches und soviel Philosophie, wie man braucht

  1. Platon; Apologie des Sokrates; Das Gastmahl (Symposium); Phaidon
  2. Aristoteles; Nikomachische Ethik
  3. Theodor W. Adorno, Max Horkheimer: Minima Moralia; Dialektik der Aufklärung; „Ob nach Auschwitz sich noch leben lasse“; Traditionelle und kritische Theorie; Soziologische Schriften; Gesellschaftstheorie und Kulturkritik
  4. Herbert Marcuse; Der eindimensionale Mensch
  5. Norbert Elias; Über den Prozeß der Zivilisation
  6. Albert Camus; Der Mythos von Sysiphos
  7. Jean Paul Sartre; Das Sein und das Nichts
  8. Günther Anders; Die Antiquiertheit des Menschen
  9. Ernst Bloch; Das Prinzip Hoffnung
  10. Leo Kofler: Aggression und Gewissen
  11. Arnold Gehlen; Anthropologische Forschung
  12. Friedrich Nietzsche; Ecce homo; Also sprach Zarathustra; Menschliches Allzumenschliches
  13. Arthur Schopenhauer; Aphorismen zur Lebensweisheit; Maximen und Weisheiten; Parerga und Paralipromena
  14. Cornelius Castoriadis; Durchs Labyrinth. Seele, Vernunft, Gesellschaft
  15. Emile M. Cioran; Vom Nachteil geboren zu sein; Auf den Gipfeln der Verzweiflung; Das Buch der Täuschungen
  16. Karl Marx; Die Frühschriften
  17. Hobbes; Leviathan
  18. Georg Wilhelm Friedrich Hegel; Philosophie der Geschichte
  19. Immanuel Kant; Schriften zur Anthropologie; Was ist Aufklärung?


Literatur und Lyrik:

  1. Goethe, eigentlich alles wichtig, Wilhelm Meisters Lehrjahre, vor allem das Kapitel über die schöne Seele; Die Wahlverwandtschaften; Faust I; der zweite Teil ist für jemanden unter 50-jährigen nicht zu verstehen; Die Leiden des jungen Werther; West-östlicher Divan; zu Goethe, die beste Biographie überhaupt: Eissler: Goethe
  2. Schiller; eigentlich auch alles Pflichtlektüre; Die Räuber, Über die ästhetische Erziehung des Menschen, Über naive und sentimentalistische Dichtung, Vom Pathetischen und Erhabenen, die Gedichte mag ich allesamt nicht, aber schau einfach mal rein.
  3. Dostojewski, bei 2001 gibt es eine sensationell günstige Gesamtausgabe, unbedingt anschaffen! Dort besonders: Erniedrigte und Beleidigte, Schuld und Sühne, Der Spieler, Der Idiot, Aufzeichnungen aus einem Totenhause
  4. Boris Vian; bei Wagenbach erschienen, zum Beispiel: Ich werde auf Eure Gräber spucken, Liebe ist blind, Wir werden alle Fiesen killen; über Vian und als Einstieg mit Textproben: Klaus Völker: Boris Vian: Der Prinz von Saint-Germain
  5. Jerome D. Salinger; Der Fänger im Roggen; Der einzig gute Roman, der je von einem Amerikaner geschrieben wurde!
  6. Heinrich Heine; egal welche Gedichte, er ist der Vollender der klassischen Lyrik und der Begründer der Moderne. Mit dem richtigen Heine-Gedicht zur richtigen Zeit kriegt man jede junge Frau rum (die älteren auch J )
  7. Hermann Hesse; Der Steppenwolf; hat wenig zu tun mit der Musikgruppe und viel mit born to be free! Narziß und Goldmund; der unbekanntere aber bessere Roman von Hesse.
  8. Franz Kafka: Das Urteil; Das Schloß; Der Prozeß; In der Strafkolonie;
  9. Gottfried Keller; Der grüne Heinrich
  10. Thomas Mann; Doktor Faustus; Sämtliche Erzählungen
  11. Gottfried Benn; Sämtliche Gedichte
  12. Ludwig Tieck; Märchen aus dem Phantasus
  13. Albert Camus; Der Fremde; Die Pest; Der Fall
  14. Jean Paul Sartre; Der Ekel; Die Fliegen; Die ehrbare Dirne; Geschlossene Gesellschaft
  15. Ulrich Plenzdorf; Die Legende von Paul und Paula; Die Legende vom Glück ohne Ende; Die neuen Leiden des jungen W.;

Text an eine „Rechte“

Eine Antwort auf einen Forumsbeitrag von 2002, leider heute aktueller denn je!

Hallo Tina,

darf ich dich fragen, wie alt du bist und wo du wohnst? Das würde mir helfen, zu verstehen, woher deine Angst kommt, die du in deinem Mail eindrucksvoll zum Ausdruck bringst. Bis dahin will ich versuchen dein Mail ernsthaft zu analysieren und einen Weg zur Wahrheit (die immer eine ungeteilte ist) suchen.

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Leserbrief als Reaktion auf einen Vortrag von Dr. Schmidt-Salomon

Leserbrief von Dieter Matten (Weywertz)
als Reaktion auf den Vortrag von Dr. Schmidt-Salomon

Unterstützen würde ich sofort die Aussage: „Wer Wissenschaft, Philosophie und Kunst besitzt, braucht keine Religion!“ obwohl mir das Verb „besitzen“ in diesem Zusammenhang nicht gefällt, die Formulierung Hegels in einem Brief über die „Farben des Geistes“, die ihm das scheinbare Grau des Lebens verschönern gefällt mir als Bild besser. Unbestritten und seit der Religionskritik von Marx auch gut entwickelt ist aber, dass der Versuch das Elend der Klassengesellschaft mit Hilfe von Religion zu ertragen eine alte und eigentlich obsolete Form darstellt. Dennoch bleibt Religion eine mögliche „geistige“ Form der Auseinandersetzung mit den Problemen der menschlichen Gesellschaft.

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Erich Fromm: Der Traum ist die Sprache des universalen Menschen. Absurd-dialektisches Exzerpt oder eine hermeneutische Vergewaltigung

Ein Text von 2018, erstellt für ein Treffen zwischen Sandra, Ursula und mir, als wir uns mit den Themen Traum, Klartraum, Narzissmus, Unbewusstes etc. beschäftigt haben. Da er ein gutes Beispiel meiner im nächsten Buch „Absurde Dialektik“ zu erklärenden „Methode“ darstellt, soll er auch online gehen, obwohl er eher für den privaten Gebrauch gedacht war.

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Bedingungsloses Grundinterview

Im Jahr 2015 fragte die Zeitschrift „Die Novelle“ bei mir an, ob ich ein Interview zum Thema bedingungsloses Grundeinkommen geben würde. Das ist das Ergebnis, das nicht veröffentlicht wurde.

Wie würden Sie einem Regenbogen, der bekanntermaßen nicht zu den schlausten Zeitgenossen zählt, erklären, was Bedingungsloses Grundeinkommen (im Folgenden „Bemm“) ist und wie es funktioniert?

Bemm ist ein zweischneidiges Schwert. Zum Einen verweist es auf eine humanistische Selbstverständlichkeit, nämlich, dass jeder Mensch in Würde leben können sollte, zum Anderen droht es in unseren antagonistischen Verhältnissen zu einem Mittel zum Abbau kapitalistischer Überproduktion zu verkommen.

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Waffenfirma Mecar in Elsenborn 1

2001, kurz nachdem wir nach Ostbelgien gezogen sind, gab es einen Konflikt mit einer Waffenfirma, die auf dem Gelände des Lagers Elsenborn Tests mit unabsehbaren Folgen für die Umwelt durchführte. Ich sah mich genötigt, mit ein paar Leserbriefen Stellung zu beziehen.

Mit Windmühlen gegen Don Quijote!

Elsenborn ist ein wunderschönes Dorf in der Nordeifel, administrativ zur Gemeinde Bütgenbach gehörend, bekannt für seine reizvolle Lage, ideal für Skilanglauf im Winter sowie Spaziergänge im Sommer und vielleicht noch durch seine berühmte Bürgerin Margarethe Schreinemakers in den Medien erwähnt. Der Wind von Westen findet hier in der Gegend an den Ausläufern der Ardennen, am sogenannten Hohen Venn ein erstes ernsthaftes Hindernis auf seinem Weg von der Nordseeküste, was das Klima hier rau sein lässt. Die doch noch zahlreichen freien Flächen bieten somit einen idealen Standort für einen Windpark zur Stromerzeugung, also für eine regenerative Energiequelle, die ohne Frage einen Schritt in die richtige Richtung bedeuten würde, weg von der Verbrennung wertvoller fossiler Stoffe wie Kohle oder Öl und der prinzipiell unbeherrschbaren Atomtechnik. Aus diesem Grund beschloss die Gemeinde Bütgenbach vor einigen Jahren schon in Zusammenarbeit mit dem belgischen Energieunternehmen Electrabel auf einem 40 ha großen Gelände in Elsenborn, der sogenannten Roderhöhe dem Bau einer solchen Windkraftanlage zuzustimmen.

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Koflers Progressive Elite oder vom Richtigen im Falschen

1.1.1    Koflers Progressive Elite oder vom Richtigen im Falschen

Leo Kofler hat die Notwendigkeit von Ideologie aufgezeigt und die Schwierigkeiten des Erkennens der Totalität in den Mittelpunkt gestellt und entwickelte ganz folgerichtig eine Verortung der humanistischen Kräfte, die sich historisch noch im Kampf gegen die allmächtig scheinende Klassenherrschaft behaupten. Streng urteilend und ohne ein Jota Voluntarismus analysiert Kofler zunächst den Zustand der sozialistischen Organisationen und Kräfte, wobei er zu einem niederschmetternden Ergebnis gelangt, wie es realistischer nicht sein kann: „Dem äußeren Bilde nach ist die sozialistische und gewerkschaftliche Bürokratie, die bis in die politischen und ideologischen Führungspositionen reicht, noch immer Repräsentant des Humanismus und des Fortschritts, faktisch ist sie längst integriert, d. h. zu einem bloß „oppositionellen“ Strukturelement der bürgerlichen Ordnung geworden“ (Vergeistigung der Herrschaft, VdH, S. 323). Die traditionelle Arbeiterbewegung hat einen „Prozeß der Entgeistung und Entidealisierung“ (VdH, S. 328) erfahren und verbreitet nur noch eine „lendenlahme, langweilige und die Mitglieder nicht mehr zum Mitdenken oder zur Aktivität anreizende Stimmung“ (VdH, S. 328), der reale „offizielle“ Klassenkampf verliert sich im „aufgeblasenen Windmühlengefecht“ (VdH, S. 329). „Der einstige Typ des Volkstribun ist heute nahezu ausgestorben“ (VdH, S. 330), „an die Stelle des du-bezogenen Idealismus tritt naturgemäß der Egozentrismus, in vielen Fällen der Egoismus“ (VdH, S. 331), der „zu Mitteln der Verleumdung, des Hinterhalts und des Ehrenmordes greift, wenn es darum geht, unbequeme Andersdenkende zu „erledigen““ (VdH, S. 331). Selbst der geschichtliche Hoffnungsträger Nummer eins, das Proletariat, wird von Kofler in seiner historischen Wirklichkeit gnadenlos erfasst: „Im dekadenten Bewusstsein der Arbeitenden, aus dem die Zukunftshoffnung niemals ganz verschwindet, sondern oft nur ins Unbewusste verdrängt wird, erscheint nun die gegebene kapitalistische Umgebung als das schlechthin selbstverständliche Milieu, als das „natürliche“ Sein“ (VdH, S. 337). Kofler konstatiert eindeutig und in meinen Augen völlig zu Recht „die Vernichtung der einstigen humanistischen Elite“ (VdH, S. 345). Wer hat eigentlich Kofler Voluntarismus vorgeworfen? Ich kenne nicht viele marxistische Theoretiker, die so eindeutig Stellung beziehen und das Ende der Arbeiterbewegung aufgezeigt haben.

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