Koflers Progressive Elite oder vom Richtigen im Falschen

1.1.1    Koflers Progressive Elite oder vom Richtigen im Falschen

Leo Kofler hat die Notwendigkeit von Ideologie aufgezeigt und die Schwierigkeiten des Erkennens der Totalität in den Mittelpunkt gestellt und entwickelte ganz folgerichtig eine Verortung der humanistischen Kräfte, die sich historisch noch im Kampf gegen die allmächtig scheinende Klassenherrschaft behaupten. Streng urteilend und ohne ein Jota Voluntarismus analysiert Kofler zunächst den Zustand der sozialistischen Organisationen und Kräfte, wobei er zu einem niederschmetternden Ergebnis gelangt, wie es realistischer nicht sein kann: „Dem äußeren Bilde nach ist die sozialistische und gewerkschaftliche Bürokratie, die bis in die politischen und ideologischen Führungspositionen reicht, noch immer Repräsentant des Humanismus und des Fortschritts, faktisch ist sie längst integriert, d. h. zu einem bloß „oppositionellen“ Strukturelement der bürgerlichen Ordnung geworden“ (Vergeistigung der Herrschaft, VdH, S. 323). Die traditionelle Arbeiterbewegung hat einen „Prozeß der Entgeistung und Entidealisierung“ (VdH, S. 328) erfahren und verbreitet nur noch eine „lendenlahme, langweilige und die Mitglieder nicht mehr zum Mitdenken oder zur Aktivität anreizende Stimmung“ (VdH, S. 328), der reale „offizielle“ Klassenkampf verliert sich im „aufgeblasenen Windmühlengefecht“ (VdH, S. 329). „Der einstige Typ des Volkstribun ist heute nahezu ausgestorben“ (VdH, S. 330), „an die Stelle des du-bezogenen Idealismus tritt naturgemäß der Egozentrismus, in vielen Fällen der Egoismus“ (VdH, S. 331), der „zu Mitteln der Verleumdung, des Hinterhalts und des Ehrenmordes greift, wenn es darum geht, unbequeme Andersdenkende zu „erledigen““ (VdH, S. 331). Selbst der geschichtliche Hoffnungsträger Nummer eins, das Proletariat, wird von Kofler in seiner historischen Wirklichkeit gnadenlos erfasst: „Im dekadenten Bewusstsein der Arbeitenden, aus dem die Zukunftshoffnung niemals ganz verschwindet, sondern oft nur ins Unbewusste verdrängt wird, erscheint nun die gegebene kapitalistische Umgebung als das schlechthin selbstverständliche Milieu, als das „natürliche“ Sein“ (VdH, S. 337). Kofler konstatiert eindeutig und in meinen Augen völlig zu Recht „die Vernichtung der einstigen humanistischen Elite“ (VdH, S. 345). Wer hat eigentlich Kofler Voluntarismus vorgeworfen? Ich kenne nicht viele marxistische Theoretiker, die so eindeutig Stellung beziehen und das Ende der Arbeiterbewegung aufgezeigt haben.

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Dein Kofler – Mein Kofler – Unser Kofler


Ein dreiteiliger Text von 2009, der erste Teil „Dein Kofler“ ist eine ausführliche Kritik zur Kofler-Biografie von Cristoph Jünke, die wohl der Grund dafür ist, dass ich bei der Koflergesellschaft, deren Mitglied ich seit vielen Jahren bin, so ein wenig „persona non grata“ bin. Nach erneuter Prüfung muss muss ich aber feststellen, dass ich jeden einzelnen Kritikpunkt gerechtfertigt sehe und auch die vorgebrachten Textbelege kommen mir ausgesprochen zwingend vor. Der zweite Teil „Mein Kofler“ besteht aus persönlichen, aber auch theoretischen Erinnerungen und Erlebnissen mit meinem Lehrer. Diesen Text hatte ich komplett eingereicht für das Buch der Koflergesellschaft „Begegnungen mit Leo Kofler“ und es ist sicher kein Zufall, dass nur die anekdotischen „Schmankerl“ gewünscht waren. Theorie ist nicht so angesagt, ganz der Ausrichtung Leo Koflers entgegengesetzt. Der dritte Teil „Unser Kofler“ ist der Versuch der Versöhnung, konkrete Vorschläge zur lebendigen Gestaltung der Gesellschaftsarbeit und der Vitalisierung einer progressiven Elite. Leider ist auch darüber nie ein Dialog zustande gekommen.

1      Dein Kofler – eine Rezension des Buches „Sozialistisches Strandgut“ von Christoph Jünke

1.1    Eine kleine Polemik zum Titel

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