Waffenfirma Mecar in Elsenborn 1

2001, kurz nachdem wir nach Ostbelgien gezogen sind, gab es einen Konflikt mit einer Waffenfirma, die auf dem Gelände des Lagers Elsenborn Tests mit unabsehbaren Folgen für die Umwelt durchführte. Ich sah mich genötigt, mit ein paar Leserbriefen Stellung zu beziehen.

Mit Windmühlen gegen Don Quijote!

Elsenborn ist ein wunderschönes Dorf in der Nordeifel, administrativ zur Gemeinde Bütgenbach gehörend, bekannt für seine reizvolle Lage, ideal für Skilanglauf im Winter sowie Spaziergänge im Sommer und vielleicht noch durch seine berühmte Bürgerin Margarethe Schreinemakers in den Medien erwähnt. Der Wind von Westen findet hier in der Gegend an den Ausläufern der Ardennen, am sogenannten Hohen Venn ein erstes ernsthaftes Hindernis auf seinem Weg von der Nordseeküste, was das Klima hier rau sein lässt. Die doch noch zahlreichen freien Flächen bieten somit einen idealen Standort für einen Windpark zur Stromerzeugung, also für eine regenerative Energiequelle, die ohne Frage einen Schritt in die richtige Richtung bedeuten würde, weg von der Verbrennung wertvoller fossiler Stoffe wie Kohle oder Öl und der prinzipiell unbeherrschbaren Atomtechnik. Aus diesem Grund beschloss die Gemeinde Bütgenbach vor einigen Jahren schon in Zusammenarbeit mit dem belgischen Energieunternehmen Electrabel auf einem 40 ha großen Gelände in Elsenborn, der sogenannten Roderhöhe dem Bau einer solchen Windkraftanlage zuzustimmen.

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Koflers Progressive Elite oder vom Richtigen im Falschen

1.1.1    Koflers Progressive Elite oder vom Richtigen im Falschen

Leo Kofler hat die Notwendigkeit von Ideologie aufgezeigt und die Schwierigkeiten des Erkennens der Totalität in den Mittelpunkt gestellt und entwickelte ganz folgerichtig eine Verortung der humanistischen Kräfte, die sich historisch noch im Kampf gegen die allmächtig scheinende Klassenherrschaft behaupten. Streng urteilend und ohne ein Jota Voluntarismus analysiert Kofler zunächst den Zustand der sozialistischen Organisationen und Kräfte, wobei er zu einem niederschmetternden Ergebnis gelangt, wie es realistischer nicht sein kann: „Dem äußeren Bilde nach ist die sozialistische und gewerkschaftliche Bürokratie, die bis in die politischen und ideologischen Führungspositionen reicht, noch immer Repräsentant des Humanismus und des Fortschritts, faktisch ist sie längst integriert, d. h. zu einem bloß „oppositionellen“ Strukturelement der bürgerlichen Ordnung geworden“ (Vergeistigung der Herrschaft, VdH, S. 323). Die traditionelle Arbeiterbewegung hat einen „Prozeß der Entgeistung und Entidealisierung“ (VdH, S. 328) erfahren und verbreitet nur noch eine „lendenlahme, langweilige und die Mitglieder nicht mehr zum Mitdenken oder zur Aktivität anreizende Stimmung“ (VdH, S. 328), der reale „offizielle“ Klassenkampf verliert sich im „aufgeblasenen Windmühlengefecht“ (VdH, S. 329). „Der einstige Typ des Volkstribun ist heute nahezu ausgestorben“ (VdH, S. 330), „an die Stelle des du-bezogenen Idealismus tritt naturgemäß der Egozentrismus, in vielen Fällen der Egoismus“ (VdH, S. 331), der „zu Mitteln der Verleumdung, des Hinterhalts und des Ehrenmordes greift, wenn es darum geht, unbequeme Andersdenkende zu „erledigen““ (VdH, S. 331). Selbst der geschichtliche Hoffnungsträger Nummer eins, das Proletariat, wird von Kofler in seiner historischen Wirklichkeit gnadenlos erfasst: „Im dekadenten Bewusstsein der Arbeitenden, aus dem die Zukunftshoffnung niemals ganz verschwindet, sondern oft nur ins Unbewusste verdrängt wird, erscheint nun die gegebene kapitalistische Umgebung als das schlechthin selbstverständliche Milieu, als das „natürliche“ Sein“ (VdH, S. 337). Kofler konstatiert eindeutig und in meinen Augen völlig zu Recht „die Vernichtung der einstigen humanistischen Elite“ (VdH, S. 345). Wer hat eigentlich Kofler Voluntarismus vorgeworfen? Ich kenne nicht viele marxistische Theoretiker, die so eindeutig Stellung beziehen und das Ende der Arbeiterbewegung aufgezeigt haben.

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Don Quijote will gehen!

Minister Flahaut ist gekränkt und vermutet eine Verschwörung: „gibt es hier vielleicht Interessen, von denen mir noch nichts bekannt ist?“ fragt er besorgt. Keine Sorge, Herr Minister, Konspiration ist das Feld Ihrer Organisation, wie man an der bekannten Manipulation der Umfrage deutlich sehen konnte. Nein, Herr Verteidigungsminister, es geht noch nicht einmal in erster Linie um den Windpark in Elsenborn, es geht um das Menschenbild und die politische Kultur in der Führung der belgischen Armee, die hier zur Debatte steht. Ihre jetzige Drohung: „entweder für die Windräder auf Roderhöhe oder für die Arbeitsplätze im Lager“ verdeutlicht aufs Neue das Niveau ihrer Argumentation. Sie haben ein seltsames Verständnis von Politik, Herr Flahaut: schon in einem früheren Interview erklärten Sie, dass Politik nur was für Profis sei und die Bürger (und ein Pastor ist auch ein Bürger) sich da gefälligst rauszuhalten hätten. Das ist schon sehr merkwürdig. Dann sind Sie offensichtlich stolz darauf, dass „sich in den vergangenen zwei Jahren an der Argumentation der Armee nichts, aber auch rein gar nichts geändert hat“. Bravo, Herr Verteidigungsminister! In zwei Jahren nichts dazugelernt und keine weiteren Zusammenhänge gefunden, ganz toll, Sie machen Don Quijote alle Ehre! Ich vermute sogar, dass die Argumente der Armee seit einigen 1000 Jahren stets die immer gleichen sind und dort keinerlei Fortschritt festzustellen ist, aber immerhin sind auch Sie standfest!

Natürlich benutzt der sozialistische Politiker mal wieder das Totschlagargument „Arbeitskräfte“, mit dem man inzwischen traditionell jeden Unsinn zu rechtfertigen versucht, ja diese Argumentationsfigur scheint das zu sein, was vom Sozialismus in Europa übriggeblieben ist. Nun, erstens sind die Menschen hier in Ostbelgien so fleißig, geschickt, mobil und qualifiziert, dass hier kaum ein Anstieg der Arbeitslosenzahlen nach einer Schließung des Lagers in Elsenborn zu befürchten ist. Und dann darf man nicht vergessen, wie viele Arbeitsplätze dadurch geschaffen werden könnten: ein wunderschönes Naturschutzgebiet wäre für Wanderer ganzjährig verfügbar, das Verballern von Granaten bei Tag und Nacht würde aufhören, was sicher auch manchen Tourist von unserer Gegend ferngehalten hat, ganz abgesehen von den tieffliegenden Militärflugzeugen, also die Attraktivität der Region würde deutlich erhöht. Und, liebe Militärs, wenn Ihr gehen müsst, dann vergesst bitte nicht Euern Panzer auf dem Kreisverkehr. Nehmt ihn doch entweder mit, oder schenkt ihn der Bevölkerung, die ihn dann so anmalen kann, wie sie es für richtig hält.

Vielleicht kann die Armee ja auch das Arbeitsplatzproblem endgültig lösen: schließt einfach alle Lager, nehmt das Geld aus dem Verteidigungsetat und siedelt überall dort, wo Lager standen, Zukunftsfirmen an, Ihr werdet Euch wundern, wie viel mehr Arbeitsplätze dies bringen würde! Und fangt damit ruhig hier bei uns an. Ciao, Don Quijote, und sei nicht traurig, für jeden kommt einmal der Zeitpunkt, an dem er gehen muss.

Dieter Matten, Weywertz

Dialektik Teil 1

Ein Versuch einer einfachen Einführung in die Dialektik für meinen Feund Bruno Dannemark, der 2007 mal danach fragte. Ich habe das dann auch mal als Lesung in vier Teilen online gestellt, weil ich dachte, dass es für junge Studenten der Geisteswissenschaften hilfreich sein könnte.

So, dann fangen wir mal die unmögliche Aufgabe an! Was ist Dialektik? Das hast du am Samstag mehrmals gefragt. Ohne spirituell werden zu wollen hat das etwas von der Frage eines unschuldigen Kindes an die Großmutter, wie denn der liebe Gott aussieht. Berechtigte Frage, aber schwer zu beantworten.

Mein Text für dich wird keinen wissenschaftlichen Ansprüchen genügen können, sondern eher essayistischen Charakter haben, dies a) aus Gründen der lockereren Lesbarkeit b) wegen des Charakters eines Gesprächs zwischen Freunden und c) wegen der Intention dich zum Lesen der Primärtexte zu motivieren und nicht diese ersetzen zu wollen bzw. zu können.

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Dialektik Teil 2

Im ersten Mail haben wir gesehen, wie das Bewusstsein sich in der Arbeit an der ihn umgebenden Welt, in der Auseinandersetzung mit der Natur (das ist schon eher eine marxsche Interpretation, obwohl sie Hegel nicht widerspricht, aber dieser beginnt eben noch mit einem absoluten Subjekt als Ursprung, als „Unbewegter Beweger“) von der sinnlichen Gewissheit bis zum Verstand weiterentwickelt. Man beachte die Bewegung, die Hegel hierbei beschreibt, sie ist eine notwendige, beinhaltet immer die Negation des Vorhergehenden, um dann am Ende diese Vorhergehende wieder im Neuen aufzuheben:

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Dialektik Teil 3

Dialektik 3, die Freiheit des Selbstbewusstseins

Im vorigen Mail haben wir gesehen, wie das Bewusstsein sich seiner selbst bewusst wird, wie es seine Selbständigkeit gewinnt. Das Mittel dieser Selbständigkeit war die Anerkennung durch ein anderes Selbstbewusstsein, das somit auch wieder anerkannt wird.

Diese Bewegung des Kommens zu sich selbst, der Selbstreflexion, geschieht über zwei mögliche Wege im Kampf um die Anerkennung: dem Bewusstsein des Herrn und dem knechtischen Bewusstsein. Beide gewinnen in diesem Kampf ihre einfache Selbständigkeit am Ende sagen zu können, dass sie ein bewusstes Ich haben. Doch beide erkaufen ihre Selbständigkeit mit einer Abhängigkeit, der Knecht hat als Dienender den Herrn als solchen vor der Nase und der Herr hat als rein Genießender den Knecht nötig zur Vermittlung über die formende Arbeit zum selbständigen Ding, das der Herr als solches leugnen kann.

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Dialektik Teil 4

Hegels System der Bedürfnisse durch die marxsche Brille oder der Übergang vom Höhepunkt des objektiven Idealismus zum historischen Materialismus

Zum Titel: Hegels Philosophie nennt man den „objektiven Idealismus“, objektiv im Gegensatz zum subjektiven Idealismus, der eine Realität außerhalb der subjektiven Erkenntnis für irrelevant erklärt und den Geist des Einzelnen in den Mittelpunkt stellt. Hauptvertreter des subjektiven Idealismus’ sind Fichte und Kant, aber eigentlich auch alle anderen eher in aristotelischer Tradition stehenden Philosophen. Idealismus, weil er davon ausgeht, dass es eine Idee (bei Platon, bei Hegel ist es Geist) gibt, die in der Welt wirkt und die es zu „schauen“, zu erkennen gilt. So ist alle Philosophie bis Hegel letztlich eine Theodizee, also ein Gottesbeweis, der Versuch die Existenz Gottes, des Allgemeinen zu beweisen, da sie auf der Suche nach dieser Ideenwelt ist. Selbst die größten Aufklärer wie Descartes oder Kant machen deutlich, dass es ihnen darum geht, die Schritte des lebendigen Gottes in der Welt zu erkennen. Und dies ist sicher nicht nur so, weil sie sich vor der Zensur fürchten, die sie ja auf jeden Fall angreifen wird, in dem Moment, wo sie die Scholastik verlassen und das tun sie ja alle, wenn anders sie denn Philosophen sind.

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Abschied von Heinz Heger

Eine Rede, die ich anlässlich der Beerdigung meines Schwiegervaters Heinz Heger im Jahre 2015 bei der Trauerfeier gehalten habe.

Liebe Familie Heger und Anverwandte,

schon allein die Tatsache, dass ausgerechnet ich ein paar Abschiedsworte an diesem traurigen Tag an Euch richten darf und soll, zeigt die außergewöhnliche Komplexität der Persönlichkeit unseres verehrten Verstorbenen Heinz Heger. Er war kein einfacher Mensch, auch und vor allem nicht in dem Wortsinne von „einfach“ als „gewöhnlich“, „trivial“, „oberflächlich“ oder „eindimensional“.

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